Was ist Trauern und was nicht?

Viele Ereignisse können das Gefühl von Trauer auslösen. Nicht nur der Tod eines Menschen, sondern auch andere Verluste. Eine alte, lieb gewordene Pflanze, die eingeht…, das alte Auto, was verkauft wird…, den tollen Job, der verloren geht…, der Partner, der einen verlässt…, all dies kann tiefe Trauer in uns auslösen. Doch was ist echtes Trauern überhaupt? Wir kommen wir über den Schmerz eines großen Verlustes hinweg?

Die Trauerphasen im Kurzüberblick

Ein trauernder Mensch, der einen lieben Angehörigen verloren hat, durchläuft in der Regel fünf Trauerphasen. Diese dauern unterschiedlich lang und sind unterschiedlich intensiv. Die Trauerphasen werden klassisch unterteilt in die Phase des Leugnens, des Zorns, des Verhandelns, der Depression und schließlich der Akzeptanz.

Echtes Trauern ist das Zulassen von Gefühlen

Die o.g. Trauerphasen sind wichtig und notwendig und sind vermutlich in der menschlichen Psychologie so angelegt. Was leider weniger in uns angelegt ist bzw. was uns im Laufe der Jahre schlicht abtrainiert wurde, ist das echte Fühlen von Gefühlen. Wir sind Meister darin, Schmerz und Trauer zu unterdrücken, weil wir denken, dass es uns zerreißt. Aus Angst, diesen tiefen Schmerz nicht aushalten zu können, weichen wir ihm aus und “managen” unseren Trauerprozess. Doch der Schmerz verschwindet nicht; er nistet sich in uns ein und wird sich bei jeder sich ihm bietenden Gelegenheit zurückmelden.

Ein Blick in eine Trauergruppe

Vor einigen Jahren nahm ich einem rund halbjährlichen Seminar für Trauerbegleiter teil. Dabei hospitierte ich ein paar Mal in einer Trauergruppe. Dort kamen Menschen zusammen, die alle einen oder mehrere Angehörige verloren hatten. Bei vielen lagen diese Verluste schon lange zurück, dennoch waren sie noch voller Schmerz. Sie schwelgten in Erinnerungen und ließen die teils schrecklichen Ereignisse immer wieder Revue passieren, was ihnen in keiner Weise aus ihrem emotionalen Schmerz heraus half! Das muss nicht immer und bei allen so sein, Erinnern ist wichtiger Teil des Trauerns. Jedoch ist viel entscheidender das Wahrnehmen und Ausfühlen all der damit verbundenen Gefühle, um wahren inneren Frieden zu finden.

Die Folgen nicht gefühlter Emotionen

Als ich selbst zum ersten Mal in einem tiefen Trauerprozess steckte, passierte mir genau das gleiche. Ich dachte, der Schmerz bringt mich um und ich wich ihm aus wie ein Wiesel. Ich verlor mich in Erinnerungen an die Vergangenheit und drehte mich mit meinen Gedanken im Kreis. Das Ergebnis davon war, dass es mir kontinuierlich immer schlechter ging, was sich auch in körperlichen Problemen manifestierte. Erst eine Freundin, die dies erkannte, weckte mich auf und half mir, mich dem tiefen Schmerz zu stellen. Auch wenn es ein Gang durch ein tiefes Tal (eher die gefühlte Hölle) war, erfuhr ich danach unglaubliche Erleichterung.

Das einzig Sinnvolle ist das Fühlen aller aufsteigenden Gefühle

Deswegen bedeutet echtes Trauern das Zulassen und vollständige Erfahren der Gefühle. Aus meiner Sicht ist dies die wichtigste und entscheidende Trauerphase. Wut, Schmerz, vielleicht auch Hass – was auch immer da ist, möchten gespürt werden! Auch wenn es sich anfühlt, als würden wir sterben – nein, wir sterben nicht, sondern bringen all die Gefühle ans Licht und bekommen die Chance auf eine neue Freiheit. Probiere es aus und nutze die Kommentarfunktion, deine Erlebnisse zu teilen.

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